Projekt: Stolpersteine auf dem Gelände der KRH Psychiatrie Wunstorf
Wir brauchen Ihre/Eure Unterstützung!
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sind das größte dezentrale Kunstdenkmal der Welt. 120.000 der 96 x 96 mm großen in einen Betonquader gegossenen Messingplatten sind inzwischen verlegt. Sie erinnern uns an die Opfer des Nationalsozialismus. Unterstützt vom Direktorium wollen wir ab November 2026 auf dem Gelände der Wunstorfer Psychiatrie insgesamt 8 Stolpersteine verlegen.
Die Klinik war während des Nationalsozialismus Ausgangspunkt für die Deportation und ganz überwiegende Ermordung von hunderten psychiatrischen Patient:innen. Einer der federführenden Planer der sog. Kindereuthanasie und Gutachter des Reichsausschusses wurde noch 1954 zum Leiter der Wunstorfer Kinder- und Jugendpsychiatrie ernannt. Jeder Mitarbeitende, der sich mit den Wurzeln seiner Tätigkeit befasst, wird früher oder später mit dieser verstörenden Historie konfrontiert. Vielleicht wird er sich fragen, welche Rolle er in diesen Zeiten eingenommen hätte.
Als Verein „Psychiatriebewegt“ fördern wir entschieden die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel deutscher Psychiatriegeschichte unter dem zynischen und beschönigenden Deckmantel des Begriffes „Euthanasie“ (altgriech.: guter Tod).
2024 haben wir gemeinsam mit dem Klinikdirektorium und dem Wunstorfer Arbeitskreis „Erinnerungskultur“ zwei von Gunter Demnig gefertigte Stolperschwellen auf dem Klinikgelände verlegt. Sie erinnern an die von hier ausgehenden Deportationen jüdischer Patient:innen im Herbst 1940 bzw. der im Rahmen der „Aktion T4“ 1941 durchgeführten Transporte chronisch psychisch Kranker und Behinderter in die Zwischenanstalten Idstein, Scheuern und Eichberg. Für einen Großteil der insgesamt 370 Opfer war es eine Reise in den Tod. Während des Projektes entstand der Gedanke, durch die Verlegung einzelner Stolpersteine die persönliche Geschichte und das individuelle Leid der betroffenen psychisch kranken und behinderten Opfer im Bewusstsein weiterer Generationen lebendig werden zu lassen. Bei der Auswahl haben wir uns von Kriterien leiten lassen wie der Länge des Aufenthaltes, der räumlichen Nähe des letzten Wohnortes zur Wunstorfer Anstalt, der Berücksichtigung sehr junger Opfer, der Einbeziehung strafrechtlich Untergebrachter und einem breiten Diagnosespektrum.
Unsere Projektgruppe wird extern beraten von dem Wunstorfer Historiker und Buchautor Heiner Wittrock, dem Stadtarchivar Klaus Fesche, dem ehm. Ärztlichen Direktor Andreas Spengler und dem ehm. Chefarzt der FA Bad Rehburg Michael von der Haar. Er hat in den letzten Jahren mit Hilfe der Krankenakten die Lebens- und Krankengeschichten der Opfer zusammengetragen und Einzelschicksale weiter erforscht.
Das Projekt ist angewiesen auf und lebt von einer breiten Unterstützung der Mitarbeitenden aus der Klinik. Bitte beteiligen Sie sich mit einer Spende an den Verein, durch Übernahme einer Patenschaft für einen der Steine (z.B. auch durch eine Station, Gruppe), durch praktische Unterstützung (etwa bei der Recherche von noch lebenden Angehörigen) oder durch die Bereitschaft die Pflege für einen Stein zu übernehmen!
Ansprechpartner in der Klinik sind Torsten Pech und Bettina Warmbold.